LA METHODE WILFART - ANALYSER CONSTRUIRE HARMONISER PAR LA VOIX - LE CHANT LE SOUFFLE ET LE SON
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Die Wilfart-Methode : subjektive Eindrücke eines neugierigen Journalisten
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Ich kannte Serge Wilfart seit langem, aber vor allem als Freund. Es war für mich eine Überraschung, als er mich fragte, an der Prüfungskommission einer Schlussarbeit teilzunehmen. Ich wollte vorerst ablehnen, da ich mich nicht fähig fühlte, eine Schlussarbeit über die Stimme beurteilen zu können, obwohl ich Theater studiert hatte und vor langer Zeit Regisseur gewesen war.

Serge bat mich, mir Zeit zu nehmen und darüber nachzudenken. Gleichzeitig gab er mir seine zwei Bücher zu lesen, die eine Darstellung seiner Arbeit und seiner Philosophie enthalten.

Schnell habe ich in diesen Büchern Bekanntes wiedergefunden, das sich dem näherte, was ich selbst im Laufe mehrerer Jahre Praxis von Eutonie und Hatha-Yoga erlebt hatte. Dazu entsprachen einige von Serge Wilfarts Auffassungen denen, die ich seit langem zu den meinen zu machen versuchte. Schließlich hat mich der Eindruck einer Gedanken- und Gefühlsgemeinschaft dazu gebracht, mich dieser Erfahrung zu stellen.

Ich fuhr also nach Tournai, der Hochburg der Wilfartschen Methode, um jenem erstaunlichen Augenblick beizuwohnen, in dem junge Frauen sozusagen ihren "Ritterschlag" bekommen haben. Anfangs war ich etwas unsicher, da ich über keine Fachkenntnisse in diesem Bereich verfüge. Dazu dachte ich kein moralisches Recht zu haben, diese jungen Frauen zu beurteilen, die seit so langer Zeit singen und die dieser Arbeit mit der Stimme ihr Leben widmen wollten.

Aber selbst wenn meine persönlichen Vorbehalte nie ganz aus meinem Kopf verschwunden sind, so sind sie doch schnell in den Hintergrund getreten. Denn alles, was ich an diesen zwei verregneten Septembersonntagen erlebt habe, hat das, was ich über die Stimme zu wissen glaubte, völlig über den Haufen geworfen.

Zuerst fiel auf, dass alle die sich dem Examen stellten, eine ausgeprägte und reife Persönlichkeit besaßen, mit nur einer Ausnahme, die etwas anfällig schien. Die Persönlichkeit war geprägt von jener Mischung aus Pragmatismus einerseits und Feinfühligkeit sowie Scharfsinn andererseits, die aus dem Umgang mit existenziellen Fragen kommen. Auf Anhieb traten die Kandidatinnen als starke, profunde und vielschichtige Persönlichkeiten auf. Mit dem Ernst und der Ausgewogenheit mit denen sie an die Sache gingen, sowie dem klaren Bewusstsein einer gelebten Verantwortung, konnte man hier erkennen, dass die Praxis auf gelebter Erfahrung beruhte.

Die schriftliche Arbeit, die von jeder Teilnehmerin verlangt wurde, ermöglichte außerdem den Wert ihres theoretischen Nachdenkens und ihrer geistigen Aufgeschlossenheit zu beurteilen. Auch wenn diese Arbeit keine Informationen über ihre praktischen Fachkenntnisse im Bereich der Stimme lieferte, ergänzte sie trotzdem den Gesamteindruck, den die Kandidatinnen den Prüfern gaben. Man kann sich tatsächlich schlecht vorstellen, wie eine solche Arbeit ohne theoretische und intellektuelle Grundlagen eines beachtlichen Niveaus auskommen könnte.

In dieser Hinsicht war die Beweisführung schon überzeugend, da alle Teilnehmerinnen zugleich, - jede mit der ihr eigenen Subjektivität -, Strenge und intellektuelle Deutlichkeit, aber auch Empfindsamkeit in der Behandlung der Ideen zeigten. Diese Ideen flossen harmonisch aus der Theorie des Unterrichtes von Serge.

Aber das Wichtigste und Aufsehenerregendste für mich, geschah in den praktischen Stimmübungen, die dank der aktiven Teilnahme von jungen Sängern stattfanden . Diese waren sowohl absolute Anfänger, wie auch mehr oder weniger schon Praktizierende, und dienten den Kandidatinnen als Versuchskaninchen. Ich bin heute noch nachträglich beeindruckt durch das, was ich da erlebt habe : junge Leute, absolute Anfänger, gekommen mit einer zaghaften, dünnen Stimme, die viel zu hoch gelagert war, gingen eine Viertelstunde später mit einer wärmeren, klangvolleren und tieferen Stimme, reich an Harmonien, die man gar nicht in ihnen vermutet hätte, weg. Manchmal war die Arbeit der Kandidatinnen einfach und führte nach einigen Minuten schon zu einem greifbaren Resultat. In jenen Fällen waren die Teilnehmer sofort bereit, eine volle Stimme herzugeben und es schien als bräuchte man nur die richtigen Handgriffe und Positionen anzubringen um die Stimme freizusetzen. In anderen Fällen waren die physischen und psychologischen Hindernisse deutlich größer und man hatte mehrmals den Eindruck, dass kein überzeugendes Ergebnis erreicht werden könnte. Aber dank einer gewissen Unnachgiebigkeit konnte bei jedem etwas erreicht werden, und es gab keinen völligen Misserfolg zu verzeichnen.

Die sehr auf das Körperliche ausgelegte Methode hat mich daran erinnert, dass das Verhältnis zum Körper nicht immer nur voll Zärtlichkeiten ist, und dass seine inneren Schätze manchmal mit harten Mitteln herausgelockt werden müssen. Ich war mehrmals durch die dramatischen Kämpfe beeindruckt, die vor unseren Augen abliefen. Stimmen, die sich nicht offenbaren wollten, wurden körperlich dazu gezwungen und das Resultat war manchmal höchst erstaunlich.

Man konnte auch feststellen, besonders in den schwierigsten Fällen, dass das anatomische Wissen über den Körper nicht von einer Seelenkenntnis getrennt werden kann. Anders ausgedrückt, mussten die Kandidatinnen äußerst aufmerksam auf alle Ausdrucksformen der Sänger sein, - nicht nur auf ihre Worte.

Das was ich erlebt habe, war keine Zauberei oder eine subtile Form der Suggestion, sondern das Ergebnis einer tiefen Kenntnis des Menschen, sowohl seiner physischen, wie auch seiner psychologischen und sogar spirituellen Fähigkeiten und Grenzen. In dem Augenblick wo ein Einwirken das Wesen einer Person in ihrem Innersten berührt, kommen tiefste Lebensgrundlagen ins Schwingen. Die Arbeit an der Stimme und am Atem sind nicht harmlos und kommen nicht um eine persönliche Anteilnahme aus. Dies hat man sowohl an der Arbeit der Kandidatinnen, als auch bei den Sängern beobachten können. Von diesen hat bestimmt manch einer sich gefragt, wie sein Körper solch mächtigen, ihm unbekannte Töne, hervorbringen konnte.

Jean-Pol Hecq (RTBF).

Journalist, Chef-Produzent beim belgischen, französischsprachigen Fernsehen RTBF
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